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Entdeckung, Erforschung und Erschließung der Höhle
Auf dem ca. 1 km nordwestlich des Marktes Kirchberg am Wechsel
befindlichen Eulenberg waren schon seit langem zwei Höhleneingänge
bekannt:
hoch oben ein "schauriger Abgrund", der auch als "Teufelsloch"
bezeichnet wurde
und das tiefer unten am Osthang gelegene "Windloch".
Um das Jahr 1790 soll ein Hüterbub, der im Bereiche des Abgrundes Wildtauben
nachjagte, in diesen hineingestürzt sein. Beherzte Männer konnten
ihn retten und stellten dabei fest, daß sich hier eine geräumige
Höhle in die Tiefe fortsetzt. Seit diesem Unfall wird der Abgrund als
"Taubenloch" bezeichnet und man unternahm in der Folge weitere Abstiegsversuche.
Der Reiseschriftsteller J. A. KRICKEL wagte am 23.6.1836 den Abstieg zusammen
mit einigen Männern aus Feistritz am Wechsel. Der 1838 publizierte Bericht
ist der erste schriftliche Nachweis über die Höhle. KRICKEL gibt
an, 66 Klafter
(ca.125 m) tief abgestiegen zu sein, dann habe ein "fürchterlicher
Schlund" den Weiterweg versperrt.
1843
untersuchte Hermann STEIGER von Amstein, der damals als Verwalter auf der
Burg Feistritz tätig war, die Höhle genauer und fand den Durchstieg
zum "Windloch". Beeindruckt von der Schönheit und Weitläufigkeit
der Höhle erwarb er die Grundstücke um die Eingänge samt einer
Wegverbindung und das Recht auf die Höhle. Unverzüglich begann er
mit der Erschließung. Finanziell überstieg das Projekt bald seine
Möglichkeiten und so mußte er 1844 die Höhle an den Besitzer
der Burg Feistritz, Freiherrn. Von DIETRICH verkaufen. Der Name HERMANNSHÖHLE
blieb jedoch erhalten; er wird 1845 erstmals in einer Reisebeschreibung erwähnt.
Als H. Steiger im Revolutionsjahr 1848 zum Kriegsdienst mußte und der Burgherr 1853 starb, verfielen die Weganlagen. Erst nach seiner Pensionierung ließ sie H. STEIGER wieder instandsetzen und am 28.6.1868 erfolgte die feierliche (Wieder-)Eröffnung der Schauhöhle. Vor dem Windioch-Eingang war ein Vordach errichtet worden. 1869 erschien ein Büchlein mit Bildern und Höhlenplan "Der kundige Begleiter in der Hermannshöhle", die erste Einzelpublikation über eine Höhle in Niederösterreich, verfaßt von Dr. R. HELLBACH.
Ab 1871 ist R. SCHLOSSER neuer Höhlenpächter, er erschloß
weitere Höhlengänge, insbesondere den "Karl-Ludwig-Tunnel".
Um 1895 pachtete M. DONHAUSER, Besitzer des Gasthofes "Zur 1000jährigen
Linde" in Kirchberg am Wechsel, die Höhle. Als Höhlenführer
verblieb über vier Jahrzehnte bis zu seinem Tod im Jahre 1924 E. ZIBERL,
der auch Höhlenbeschreibungen, davon eine in Gedichtform, verfaßte.
1922 bis 1926 entdeckten Wiener Höhlenforscher bei zahlreichen Touren
weitere meist enge Gänge in der Höhle. Ca. 1100 m Höhlenstrecken
waren damals bekannt. 1940 fanden zwei Kirchberger Buben nach Überwindung
von Engstellen einen größeren Höhlenteil, der nach dem 1937
verstorbenen Wiener Speläologen Univ.Prof. G. KYRLE "Kyrlelabyrinth"
benannt wurde. 1948 wurde in diesen Teil ein Eingang gesprengt. 1956 wurde
beim "Windloch" an Stelle des Flugdaches ein gemauertes Wartehäuschen
errichtet, seit 1957 ist der Führungsweg elektrisch beleuchtet.1962 wurde
auch das "Kyrlelabyrinth" für den Besuch erschlossen. 1968
erwarb eine Gruppe von Höhlenforschern die Höhle und betreut diese
seither' als "Hermannshöhlen-Forschungs- und Erhaltungsverein"
organisiert. Weganlagen und Beleuchtung wurden verbessert, die Höhle
komplett neu vermessen, wobei zahlreiche meist enge Seitenstrecken neu gefunden
wurden. Die Summe aller vermessenen Höhlengänge beträgt nun
4277 m, der Höhenunterschied wurde mit 73 m bestimmt.